Quelle: http://www.wdr.de/themen/panorama/28/hellenthal_internat/index.jhtml

Mitarbeiter sollen gewalttätig gewesen sein

Eifeler Internat geschlossen

Das Landesjugendamt hat am Dienstag (12.07.11) ein Internat in der Eifel geschlossen, weil mehrere Betreuer in Verdacht stehen, körperliche und psychische Gewalt auf ihre Schützlinge ausgeübt zu haben. Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte die Vorwürfe erhoben.

Die Vorwürfe richten sich gegen mehrere Mitarbeiter und die Leitung der Jugendhilfe-Einrichtung in Hellenthal-Reifferscheid, wie Till Döring vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) am Mittwoch (13.07.11) WDR.de sagte. Der LVR als Landesjugendamt hat die Heimaufsicht über das Haus, das 39 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren beherbergt.

Vorwurf: Auch Gewalt unter Heimbewohnern

Grund für die Schließung waren laut Döring Aussagen eines früheren Mitarbeiters, der sich an den LVR gewandt hatte. Demnach hätten in der außerschulischen Betreuung "körperliche und psychische Übergriffe" auf die Jugendlichen stattgefunden. Mitarbeiter hätten die Schützlinge zudem bewusst provoziert, bis hin zu körperlichen Angriffen, um sie dann zu fixieren, sagte Döring. Zudem habe es auch Gewalt unter den Internatsbewohnern gegeben. Die Leitung habe darauf aber "nicht pädagogisch adäquat" reagiert und es versäumt, die Vorfälle dem Landesjugendamt zu melden.

Jugendliche zurück bei ihren Eltern

Laut LVR sind Mitarbeiter des Landesjugendamtes unangemeldet vor Ort gewesen und haben die Vorwürfe geprüft. Das Ergebnis: "Die meisten der Jugendlichen hatten bereits Ähnliches erlebt." Außerdem sei das Internat überbelegt gewesen. Die LVR-Mitarbeiter hätten zudem nicht angemeldetes Personal angetroffen, das nicht aus Fachkräften bestand. Mit sofortiger Wirkung wurde dem Träger, der "Corsten Jugendhilfe GmbH", am Dienstag (12.07.11) die Betriebserlaubnis entzogen.

Leiter der Einrichtung hat Anwalt eingeschaltet

Tobias Corsten, Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung, hält die auf einer Kurzbefragung von 18 Kindern basierende Schließung nicht für gerechtfertigt. Gegenüber dem WDR erklärte er: "Wenn man ein Kind fragt 'Wirst du hier in der Einrichtung unterdrückt, fühlst Du Dich nicht wohl?' wird man auch eine Antwort bekommen, die einem eventuell genau so auch reinpasst." Corsten hat einen Anwalt eingeschaltet und will vor Gericht um eine Wiedererlangung der Betriebserlaubnis kämpfen.

Das Internat in Hellenthal-Reifferscheid beherbergte Jugendliche mit Verhaltens-auffälligkeiten. Sie sollten dort schulisch und sozial wieder integriert werden, heißt es auf der Homepage der Corsten Jugendhilfe. Nach der Schließung sind fast alle Internatsbewohner wieder zurück bei ihren Eltern. Sechs wurden in benachbarten Heimen untergebracht.


Quelle: http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1308323501714.shtml

 Demo

Flagge gezeigt für Liebfrauenhof
Von Ronald Larmann, 22.07.11, 07:01h
Das LVR-Landesjugendamt hatte der „Corsten Jugendhilfe“ die Betriebserlaubnis für das Internat im Reifferscheider Liebfrauenhof entzogen. Dagegen protestierten mehr als 200 Menschen vor dem LVR-Hauptsitz in Köln.

KÖLN / REIFFERSCHEID - Als die über 200 Demonstranten mit ihren Transparenten und Schildern gestern Nachmittag auf dem Platz vor dem Bürohaus des Landschaftsverbands Rheinland in Köln auflaufen, steht Tobias Corsten noch im Stau. So bekommt er nicht mit, wie die Menge sehr gesittet den Ausführungen von Reinhard Elzer lauscht. Der ist LVR-Jugenddezernent und hat - umzingelt von Demonstranten - keinen leichten Stand. Dennoch versucht er sachlich, die Situation aus Sicht seines Arbeitgebers zu präsentieren: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Ein Raunen geht durch die Menge und ein Corsten-Mitarbeiter widerspricht: „Sie haben es sich sehr leicht gemacht. Ich war am Dienstag dabei.“
 

Am 12. Juli nämlich hatte das LVR-Landesjugendamt (LJA) der „Corsten Jugendhilfe“ die Betriebserlaubnis für das Internat im Reifferscheider Liebfrauenhof, das Kinder und Jugendliche in besonderen Problemlagen betreute, entzogen. Grund hierfür sind laut LVR massive Vorwürfe aus dem Kreis der ehemaligen Mitarbeiterschaft, die von systematischen körperlichen und psychischen Übergriffen auf Bewohner berichteten. „Wenn wir Kenntnis von Ereignissen haben, die in massiver Weise das Kindeswohl gefährden, müssen wir handeln“, sagte Reinhard Elzer gestern und unterstrich: „Wir stehen hinter der Schließung und warten nun die Entscheidung des Gerichts ab.“

Denn Tobias Corsten, der Geschäftsführer der Einrichtung, hatte beim Verwaltungsgericht Aachen einen Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Anordnung gestellt mit dem Ziel, den Betrieb in Reifferscheid wieder aufnehmen zu dürfen.

Corsten ist inzwischen zu den Demonstranten gestoßen. Darunter sind auch zahlreiche Reifferscheider Bürger, die zwar nicht direkt von der Schließung betroffen sind, dennoch mit ihrer Ortsfahne für die Einrichtung im Liebfrauenhof Flagge zeigen. Das Bad in der Menge, von der Corsten gefeiert wird, genießt er sichtlich: „Es ist ein unglaubliches schönes Gefühl, so viel Zuspruch zu erhalten.“ Auf der anderen Seite sei er sehr traurig über den Grund, warum er dort stehe. „Inzwischen habe ich die 70-seitige Stellungnahme des LVR mit den Vorwürfen erhalten“, sagt Corsten genauso sachlich, wie er auch in den vergangenen Tagen mit diesem Thema umgegangen ist. Die Anschuldigungen könne er in dieser Schärfe definitiv zurückweisen. Vor den Demonstranten mit Schildern, auf denen steht „Tobias Corsten - Pädagoge der Herzen“, „Kinder, die durch das Raster der Gesellschaft fallen, landen nun in den Mühlen des LVR“ oder „Wir wollen bleiben“ sagt der Geschäftsführer: „Ich will meine Arbeit im Sinne der Kinder fortführen und daran werde ich seit einer Woche gehindert.“ Er kämpfe weiter für die Wiedereröffnung des Internats.

 
Ob er seine Arbeit fortsetzen kann, liegt zunächst in den Händen des Gerichts. Heute findet dazu in Aachen unter dem Vorsitz von Georg Niebel um 12.30 Uhr ein Erörterungstermin zu Corstens Antrag statt, zu dem beide Seiten geladen sind.
 


Quelle: http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1311160928948.shtml

Gericht
Liebfrauenhof darf vorläufig öffnen
aktualisiert 22.07.11
Das Heim der „Corsten-Jugendhilfe GmbH“ in Hellenthal-Reifferscheid darf vorest öffnen. Dies entschied das Kölner Verwaltungsgericht, das einem Eilantrag des Betreibers entsprach. Der Landschaftsverband Rheinland hatte das Heim wegen Misshand- lungsvorwürfen geschlossen.

REIFFERSCHEID - AACHEN - Das wegen Misshandlungsvorwürfen geschlossene Heim für schwer erziehbare Jugendliche in der Eifel darf vorläufig wieder öffnen. Das Verwaltungsgericht Aachen gab am Freitag einem Eilantrag des Betreibers statt. Er kann das Heim betreiben, bis über seine Klage gegen den Landschaftsverband Rheinland (LVR) entschieden ist.

Der Landschaftsverband hatte die Einrichtung der „Corsten-Jugendhilfe GmbH“ in Hellenthal-Reifferscheid geschlossen, weil dort Jugendliche geschlagen worden sein sollen. Betroffen sind 45 Kinder und Jugend-liche. Gegen den Gerichtsbeschluss ist Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht zugelassen. (AZ 1 L272/11).
 
Von der in den nächsten Tagen erwarteten Begründung macht der LVR abhängig, ob er Beschwerde gegen die Eilentscheidung einreicht. Zur Sicherheit der Jugendlichen würden Auflagen für die Wiedereröffnung erwogen, teilte der Verband mit. „Gewalt gegen Jugendliche kann und darf kein pädagogischer Weg sein“, stellte der zuständige Fachbereichsleiter Dieter Göbel in einer Mitteilung fest. Der LVR hat zudem Strafanzeige gegen Verantwortliche des Heims wegen Körperverletzung gestellt.
Heim-Betreiber Tobias Corsten rechnete schon in der nächsten Woche mit der Rückkehr erster Bewohner. Er bemühe sich beim Kinderschutzbund um eine „Ombudsperson“, zur „Reflexion der Arbeit und zur Qualitätssicherung“.

Das Urteil im Hauptsacheverfahren könne bis zu eineinhalb Jahren dauern, sagte ein Gerichtssprecher. Eine frühere Heim-Mitarbeiterin hatte mit ihren Vorwürfen gegen die Einrichtung den Stein ins Rollen gebracht. Kinder seien geschlagen und psychisch misshandelt worden. Nach der Befragung von Bewohnern und Mitarbeitern hatte der LVR die Einrichtung sofort geschlossen. (dpa)


 

Eine (Jugend-)Amtshandlung...

...und wie sie sich plötzlich "relativiert"

 


Quelle: http://www.az-web.de/artikel/1752397

Jugendheim in Hellenthal:

Staatsanwaltschaft ermittelt

Von Marlon Gego und Claudia Schweda | 15.07.2011, 16:00

Aachen/Hellenthal. Zwei Tage nach der Schließung der Hellenthaler Jugend-hilfeeinrichtung ist die Situation nicht mehr gar so eindeutig, wie sie am Mittwoch noch zu sein schien.

Aufgrund der Berichterstattung in unserer Zeitung hat die Aachener Staatsanwaltschaft wegen des Missbrauchsverdachts in einer Jugendhilfeeinrichtung in Hellenthal am Freitagmorgen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Wie Staatsanwalt Jost Schützeberg mitteilte, richteten sich die Ermittlungen wegen Körper-verletzung im Moment noch gegen keine bestimmte Person. Die Aufsichtsbehörde der Hellenthaler Einrichtung, der Landschaftsverband Rheinland (LVR), hatte angekündigt, Teile des Heimpersonals anzeigen zu wollen; bis Freitag lag der Aachener Staatsanwaltschaft eine solche Anzeige aber nicht vor.

Unterdessen gab der Landschaftsverband Rheinland bekannt, es habe ein regelrechtes Strafsystem in dem Haus «Corsten Jugendhilfe GmbH» in Hellenthal-Reifferscheid gegeben. Dabei seien Jugendliche tagelang isoliert worden.

Wer in dem Haus nicht gespurt habe, soll bis zu fünf Tage und manchmal auch mehr von den anderen isoliert und nur mit dem Notwendigsten versorgt worden sein. Diese Strafe sei hausintern «AOK - alles ohne Komfort» genannt worden, sagte ein LVR-Sprecher. Eine frühere Mitarbeiterin, die den LVR informierte, habe sich auf die Schilderungen von Mitarbeitern und Jugendlichen berufen. Die Frau habe eine eidesstattliche Versicherung abgegeben.

Daneben sollen Mitarbeiter die Jugendlichen unter anderem provoziert und geschlagen haben. Nach Angaben der Aufsicht war das Haus überbelegt und Mitarbeiter waren nicht qualifiziert. Im Haus lebten 45 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren aus schwierigen Familienverhältnissen. Nach der Schließung wurde ein Großteil der Jugendlichen zu ihren Eltern gebracht. [Anm.: Zurück in die "schwierigsten Familienverhältnisse"???!!! Gott, wie sinnvoll! Danke, LVR!!!] Die übrigen kamen in andere Einrichtungen.

Das Jugendamt des LVR hatte nach Hinweisen «einer glaubwürdigen Person aus dem Umfeld der Einrichtung», einer unangekündigten Inspektion und der Befragung von 18 Jugendlichen Heimbewohnern die Einrichtung wegen des Verdachts systematischer Über- griffe von Personal auf die Jugendlichen geschlossen. Dem Betreiber des Heims, dem Mönchengladbacher Pädagogen und Unternehmer Tobias Corsten, wurde die Betriebserlaubnis entzogen.

«Ein Alptraum» [Anm.: Nein, nicht die Einrichtung, sondern die Schließung!]

Am Donnerstag nun kritisierten in der Einrichtung beschäftigte Betreuer und Verwandte von dort lebenden Jugendlichen im Gespräch mit unserer Zeitung die Entscheidung des LVR. Klaus Pietsch aus Herzogenrath etwa ist der Onkel eines 15-Jährigen, der bis Dienstag in dem Haus der Corsten-Jugendhilfe in Hellenthal lebte. Er kann die geäußerten Vorwürfe in dieser Form nicht nachvollziehen. «Ich will nicht komplett ausschließen, dass dort etwas vorgefallen ist», sagte Pietsch am Freitag. Doch vor etwa zwei Monaten habe ein «etwas diktatorisch arbeitender Erziehungsleiter» das Haus verlassen.

Seitdem hätten die Erzieher und Gruppenleiter befreit gewirkt. Unbenommen davon habe sein Neffe nie von Übergriffen durch die Betreuer berichtet. Im Gegenteil, betont Pietsch: «Man hat sich dort intensivst um meinen Neffen gekümmert.» Er habe sich dort sehr positiv entwickelt und trotz der Hyperaktivitätsstörung ADHS den Weg aufs Gymnasium geschafft. «Der Junge war dort perfekt aufgehoben.»

Ähnlich äußerten sich Marlene und Ralf Unger aus Aachen, deren Sohn einstmals als «nicht beschulbar» galt. In Hellenthal sei er zu einem «akzeptierten Mitglied der Gesellschaft» gereift. Die Schließung der Einrichtung bezeichneten sie als «einen Alptraum».

Einer der in Hellenthal angestellten Betreuer sagte Freitag, solche Eindrücke stünden stellvertretend für die meisten anderen Eltern. Er bezeichnete die Recherche des LVR vor der Schließung des Hauses als «vollkommen unprofessionell», die Befragung der 18 Jugendlichen sei «stark suggestiv gewesen».

Der Betreuer erklärte, vielen der Jugendlichen seien im Heim «zum ersten Mal in ihrem Leben Grenzen gesetzt worden», was für ihre Entwicklung unerlässlich sei.
Die Jugendlichen täten sich in der Regel dennoch schwer damit, dies zu akzeptieren. Eine Befragung wie die des LVR am Dienstag böte nun einigen Jugendlichen Gelegenheit, eine Art Rache an den Betreuern zu nehmen, um sich für das Setzen von Grenzen zu revanchieren. Ohne zu ahnen, was die Konsequenz dieser Revanche sein würde.


Ein Beleg dafür, dass die Jugendlichen sich in der Einrichtung fast ausnahmslos wohlgefühlt hätten, sei die Reaktion nach der Schließung gewesen: «Die meisten haben geweint, einige sind weggelaufen, die anderen sind völlig ausgerastet», sagte der Betreuer. So sehr, dass am Dienstagnachmittag die Polizei habe gerufen werden müssen. «Wenn wir nicht eingeschritten wären, wäre die Situation eskaliert», sagte der Betreuer.

Der LVR hingegen bleibt bei seiner Sicht der Dinge. In dem Heim hätten Betreuer Jugendliche mit dem Ziel unter Druck gesetzt, einen Gewaltausbruch zu provozieren, um eine Rechtfertigung dafür zu bekommen, die betroffenen Jugendlichen «über einen Zeitraum zu fixieren, der außerhalb jedes Toleranzbereiches» liege. Das sei aber nur eine von verschiedenen Demütigungspraktiken gewesen, sagte LVR-Sprecher Till Döring am Freitag.

Überdies habe der Betreiber der Einrichtung, Tobias Corsten, gegenüber Medien erklärt, das Erzeugen von psychischem und physischem Druck gehöre zu seinem pädagogischen Konzept. Dies allein sei Grund genug, «die Einrichtung umgehend zu schließen». Der LVR plane, Strafanzeigen gegen Mitarbeiter und Leitung des Heimes zu erstatten.
Nach Recherchen unserer Zeitung hatte eine ehemalige Praktikantin den LVR über angeblich unhaltbare Zustände in dem Heim informiert.


Quelle: http://www.kuvi.de/kinder_jugend/24530_keine-auflagen-internat.html

 

09. September 2011- 23:42 h

Keine Auflagen für Internat

Das umstrittene Internat der Corsten Jugendhilfe in Hellenthal kann uneingeschränkt weiter arbeiten. Das hat der Landschaftsverband Rheinland erklärt. Darauf haben sich die Aufsichtsbehörde und die Internatsleitung nach mehreren Krisengesprächen geeinigt.

Im Juli hatte der Landschaftsverband Rheinland das Internat für schwererziehbare Kinder und Jugendliche wegen Mißhandlungsvorwürfen noch für einige Tage geschlossen. Doch seitdem, so der Sprecher, habe sich einiges getan. Unter anderem überarbeitet die Inter-natsleitung das Konzept zur Betreuung der Jugendlichen. Die Schule führe Gespräche mit dem Kinderschutzbund und habe sich außerdem von den Mitarbeitern getrennt, gegen die Vorwürfe erhoben wurden. Aus diesem Grunde gebe es keine Bedenken mehr gegen den Internatsbetrieb. Bis zu 39 Kinder und Jugendliche können in diesem Jahr dort unter-richtet werden. Die Internatsleitung selbst spricht von einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem LVR. [Tho]


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